Akademie 

Die Akademie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie richtet jedes Jahr gemeinsam mit den Kollegen aus Österreich eine Fortbildungsveranstaltung für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung aus.

Leitung: Prof. Dr. U. Rolle, Frankfurt
Vertreter der AssistenzärztInnen: Dr. Richard Gnatzy, Leipzig

 

Weiterbildungsveranstaltungen / Akademie für Kinderchirurgie – historischer Hintergrund

Blickt man auf die Geschichte der Kinderchirurgie im zweigeteilten Nachkriegs-Deutschland (Bundesrepublik Deutschland, DDR) zurück, so markieren historische Eckpunkte ihren Beginn: kinderchirurgische Arbeitsgemeinschaften. Am 21. September 1957 wurde auf Einladung von A. Oberniedermayr, München – die "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kinderchirurgen" in der Bundesrepublik Deutschland gegründet und am 04. Juni 1964 von F. Meißner Leipzig die "Arbeitsgemeinschaft für Kinderchirurgie" in der DDR. Aus diesen Arbeitsgemeinschaften wurden am 17.04.1963 die selbständige "Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie" und am 19.10.1985 die selbständige "Gesellschaft für Kinderchirurgie der DDR". Nach der Wende, 09.11.1989, fand auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 17.11.1990 in Nürnberg die Vereinigung der beiden deutschen Kinderchirurgischen Gesellschaften statt. Die Mitglieder der Gesellschaft für Kinderchirurgie der DDR traten der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie bei. Dort wurde auch die Edition eines Mitteilungsheftes beschlossen. Der damalige Präsident und jetzige Ehrenpräsident Prof. Pompino schreibt im Vorwort: " Die Verantwortlichen des neuen Mitteilungsheftes haben es sich auch zur Aufgabe gemacht, das Zusammenwachsen der Kolleginnen und Kollegen aus den alten und neuen Bundesländern zu fördern und zu erleichtern.", denn beide Gesellschaften haben in die Vereinigung Bewahrenswertes eingebracht. Und so fi ndet man in Heft 1 des 1. Jahrgangs, Januar 1992, in der sogenannten 0-Nr., wie es im Editorial heißt, im Beitrag "Zur Entwicklung der Kinderchirurgie in Deutschland" den Satz, " Vergangenes wird schnell zu Vergessenem ". Eingedenk dieser Worte, sollen Ursprung, Gestaltung und Fortgang der Weiterbildungsveranstaltungen / Akademie für Kinderchirurgie, vergegenwärtigt werden.

Ursprung

Die Weiterbildungsveranstaltungen wurden 1966 von Prof. Dr. Dr. h. c. Fritz Meißner, dem späteren Ehrenpräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, ins Leben gerufen. Sie waren integraler Bestandteil der Ausbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie und galten der Formung kinderchirurgischer Persönlichkeiten und der Vorbereitung auf die Facharztprüfung.

Gestaltung

Zwei Jahre nach der 1964 gegründeten kinderchirurgischen Arbeitsgemeinschaft der DDR, fand vom 06.06. bis 11.06.1966 die erste Weiterbildungsveranstaltung in Leipzig statt. Sie fand einmal im Jahr statt, erstreckte sich über eine Woche und wurde, der Weiterbildungszeit entsprechend, 4 – 5 Mal von jedem Facharztkandidaten besucht. Die Themen waren so gewählt, dass der Teilnehmer annähernd den ganzen Stoff der Kinderchirurgie einmal hörte. Die Teilnahme war kostenlos, es erfolgte die Freistellung vom Klinikdienst, Übernachtungs- und Fahrtkosten wurden erstattet.

Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie

Am 01.09.1978 trat eine neue Facharztordnung in Kraft. Sie war nicht starr, der angehende Facharzt konnte, nach Interesse und Neigung, in Eigenverantwortung seinen Werdegang mitgestalten. Der Leiter einer Einrichtung hatte alle Freiheiten seinen in Ausbildung befindlichen Arzt oder auch einen anderen Mitarbeiter in Einrichtungen seiner Wahl zu schicken, um deren Aus- und Weiterbildung vertiefen zu lassen. Die Stelle im Mutterhaus blieb erhalten, das Gehalt wurde weiter gezahlt. Leitklinik für den universitären Bereich war Leipzig, für den nicht-universitären Berlin-Buch.

Facharzt für Kinderchirurgie, Zentrale Fachkommission für Kinderchirurgie

1958 wurde der Facharzt für Kinderchirurgie eingeführt. 1967 abgeschafft und 1974 erneut eingeführt. Im gleichen Jahr wurde die ZENTRALE FACHKOMMISSION FÜR KINDERCHIRURGIE an der Akademie für ärztliche Fortbildung der DDR gebildet, deren erste Mitglieder Prof. Tischer (Greifswald) – Vorsitzender -, Prof. Meißner (Leipzig), Frau Dr. sc. med. Ilse Krause (Berlin-Buch), Frau Dr. Isa Poppe (Rostock), Prof. Schickedanz (Jena), Prof. Gdanietz (Berlin-Buch) waren. Später kamen Prof. Gottschalk (Erfurt) und Dr. Mothes (Schwerin) hinzu.

Nach absolvierter Ausbildung und zertifizierter Teilnahme an den Weiterbildungsveranstaltungen, meldete sich der Kandidat zur Facharztprüfung, die von der Prüfungskommission abgenommen wurde. Die Prüfung begann mit einem Vortrag, dessen Thema der Vorsitzende, Prof. Tischer (Greifswald), dem Kandidaten vorher zuschickte. Jeder der 6 – 8 Prüfer stellte Fragen. Noch am selben Tag erhielt der Kandidat das Ergebnis mitgeteilt.

Fortgang

In der Vorstandssitzung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie am 08.06.1991 schlug der damalige Präsident, Prof. Pompino, die Bildung der AKADEMIE FÜR KINDERCHIRURGIE IN DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR KINDERCHIRURGIE vor. Sie wurde am 02.09.1991 gegründet, zum Leiter K. Gdanietz benannt. Mit Übernahme von Bildungsaufgaben durch die Akademie blieb die Kontinuität der Weiterbildungsveranstaltungen gewahrt. Zu dem Zeitpunkt hatten bereits 27 Veranstaltungen stattgefunden, am 8. und 9.11.2013 findet die 48. in Berlin statt. Die Akademie führt, zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinderund Jugendchirurgie, die Tradition der Weiterbildungsveranstaltungen fort. Neue Curricula mit weniger Frontalvorträgen, mehr Patientenkasuistiken und Workshops motivieren die Assistenten der Kinderchirurgie und die Lehrenden nach wie vor einmal jährlich über Tradition und Zukunft Bilanz zu ziehen. Wenn in absehbarer Zeit wieder kostenlose Rotationen der Assistenten in benachbarte Kliniken oder Excellenzzentren möglich würden, wären die Visionen unserer alten Lehrer erfüllt.

Amtsperioden von Leitern der Weiterbildungsveranstaltungen / der Akademie

1966-1987 Prof. Dr. Dr. h. c. Fritz Meißner, Leipzig
1988-1993 Prof. Dr. med. Kurt Gdanietz, Berlin-Buch
1994-1999 Prof. Dr. med. Felix Schier, Jena/Mainz
1999-2003 Prof. Dr. med. Joachim Bennek, Leipzig
2003-2009 Prof. Dr. med. Karin Rothe, Leipzig
2009-2012 Prof. Dr. med. Holger Till, Leipzig
2013-2014 Prof. Dr. med. Karin Rothe, Berlin-Charité
Seit   2014 Prof. Dr. med. Udo Rolle, Frankfurt/M

Karin Rothe, Kurt Gdanietz