Nachruf Dr. Ingeburg Petersen

Frau Dr. Ingeburg Petersen wurde am 19. Februar 1920 in Flensburg geboren, hier bestand sie 1939 die Reifeprüfung.

Die Entscheidung, Musik oder Medizin zu studieren, fiel ihr schwer. Sie entschied sich für die Medizin und begann nach Ableistung der Arbeitsdienstpflicht 1940 das Studium in Jena, wechselte dann nach Göttingen und schließlich nach Straßburg. Hier legte sie 1944 das Staatsexamen ab und wurde im selben Jahr promoviert. Bereits während des Studiums lernte sie ihren Doktorvater Prof. Zuckschwerdt kennen, der sie für ihren beruflichen Werdegang wesentlich prägte. Mit ihm arbeitete sie viele Jahre zusammen und blieb ihm in lebenslanger Freundschaft verbunden. In seiner Abteilung begann Frau Dr. Petersen im Sommer 1944 ihre Tätigkeit als Pflichtassistentin. Bedingt durch die politischen Ereignisse geriet sie nach wenigen Monaten zusammen mit allen deutschen Angehörigen der Medizinischen Fakultät beim Fall Straßburgs in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Während dieser Zeit war sie  in der chirurgischen Abteilung des General Hospital in Lison / Frankreich ärztlich eingesetzt, bis sie wenige Wochen vor Kriegsende nach Flensburg zurückkehren konnte. Dort arbeitete sie bis Februar 1946 in einem Lazarett. In diesen schwierigen Nachkriegsjahren fand sie eine Volontärassistentenstelle in Norderdithmarschen.

Nachdem im Sommer 1947 Prof. Zuckschwerdt die Chirurgische Klinik in Göppingen übernommen hatte, erhielt Frau Dr. Petersen dort eine Assistentenstelle und konnte ihre Weiterbildung bis zur Anerkennung als Fachärztin für Chirurgie fortführen. Zusammen mit Prof. Zukschwerdt ging sie 1952 nach Bad Oeynhausen und 1955 nach Hamburg an das Universitätskrankenhaus Eppendorf. Dort begann sie, sich intensiv mit der Kinderchirurgie zu beschäftigen und übernahm 1960 die damals neu eingerichtete Kinderchirurgische Abteilung in dem großen Hamburger Kinderkrankenhaus in Rothenburgsort, die sie bis 1982 leitete.

Das Wohl der ihr anvertrauten Kinder stand bei ihr immer im Vordergrund. Ihre Richtschnur  waren chirurgische Perfektion und Disziplin, die sie in wohlwollender Strenge  auch von ihren Mitarbeitern erwartete. Die Visite an Wochenenden und Feiertagen war ein ungeschriebenes Gesetz. Sie hatte immer ein offenes Ohr für den Einzelnen, förderte uns Jüngere,  nahm uns bei den Operationen hilfreich an die Hand. Nachdrücklich riet sie uns, in die wissenschaftlichen Gesellschaften einzutreten. „Ein Chirurg braucht eine wissenschaftliche / chirurgische  Heimat“ war ihr Credo und solange es ihre Gesundheit zuließ, war sie stets auf den Kongressen der DGCH und der Norddeutschen (damals noch Nordwestdeutschen) Chirurgen anzutreffen.

Viel früher als geplant musste sie ihre ärztliche Tätigkeit beenden, weil das Kinder- Krankenhaus Rothenburgsort geschlossen wurde. Nun aber fand sie endlich Zeit und Muße für  ihre große Liebe, die Musik. Sie spielte selber wieder auf dem neuen Klavier, ging in Konzerte und reiste zu großen Festivals in Europa, von denen sie signierte Zeichnungen großer Interpreten mitbrachte.

Am 21. Februar 2017 verstarb Frau Dr. Petersen nach langer Krankheit. Mit Respekt und Dankbarkeit  werden ihre Mitarbeiter sie in Erinnerung behalten.

Ursula Engel